Samstag, 15. Februar 2014

Vom Bad Ischl des Wienerwaldes zum Knoten Steinhäusl.

Sonntag, 2. Feber 2014. Mariä Lichtmess.

Rekawinkel - Eichgraben - Steinhäusl - Eichgraben.
21 km. 654m Aufstieg

Knoten Steinhäusl um 1970
Für die ÖstereicherInnen, die, aus dem Westen kommend, nach Wien mit dem Auto einpendeln, hat die Ortschaft Steinhäusl etwas schier mystisches. Gemeinsam mit dem Hartlauer Turm in der Nähe von Enns und den schier unendlichen Weiten zwischen den Abfahrten  "Amstetten West" und "Amstetten Ost" ist der Knoten Steihäusl wohl der markanteste Wegpunkt für jene KraftfahrerInnen, die aus Linz kommend in die Bundeshauptstadt reisen. 
Hier, in Steinhäusl, einem Autobahndreieck, das die Westautobahn A1 seit 1971 mit der Wiener Außenringautobahn A 21 verbindet, queren pro Tag rund 90.000 Fahrzeuge, und ich habe in meinem Leben hierzueinen erklecklichen Beitrag geleistet. Es ist nicht das beste Wanderwetter an diesem Sonntag, eher novemberhaft, an dem ich in aller Herrgottsfrühe in Richtung Westen aufbreche. Die Schnellbahn spuckt mich gegen Acht in Rekawinkel aus. Früher, sagt man, war Rekawinkel das Bad Ischl des Wienerwaldes; einige Villen geben hierfür noch Zeugnis ab. Ansonsten ist der Ort heute ein langgezogenes Straßendorf, das ohne Ortskern dasteht und von Bahn- und Autoverkehr geplagt ist. Auf der Habenseite Rekawinkels steht sicher die leichte Erreichbarkeit mit der Westbahn, bzw. im 19. Jahrhundert, mit der Kaiserin Elisabeth Bahn, die hier um 1857 errichtet wurde. Der Bahn folgte die Wiener Gesellschaft, die nicht mehr in Attnang-Puchheim umsteigen wollte, um ins Salzkammergut zu gelangen; offensichtlich war man Verkehrslärm früher offener eingestellt. Ein Ende hatte die Freude wohl während des Beginn des Autobahnverhehrs. Und, zugegeben, recht sonnendurchflutet wird der Ort in dem nicht tiefen, aber doch engen Tal auch nicht sein. 
A1

Ein Schild bei der Bundesstraße wirbt für die sonntägliche Messe um 8 Uhr in Rekawinkel, und auch  der Pfarrer bimmelt mit Verve das Geläut. Allerdings folgen seinem Ruf nur wenige, ich zähle gerade zwei Autos, die am Parkplatz neben der Kirche stehen, ein drittes kommt zu spät. Die Kirche selbst, in den 1930er Jahren fertiggestellt, war einmal jenem Kanzler des Ständestaates Engelbert Dohlfuss geweiht (ich hoffe jetzt nicht mehr) und ist kein prunker Brockbau.

Ich folge dem Eichgrabner Hochweg, hinein in den Wald, der lange entlang der Bahnstrecke führt und später auch die Wiener Hochquellwasserleitung quert. Vorher treffe ich aber noch eine Dame in Wildledermantel (mit Pelzbesatz), die ihre drei Hündchen (Jochen, Belle und Jule), die recht erregt wie wild kläffen auch an der Leine kaum bändigen kann. "Sie machen ja ehh nix!" mein sie nur entnervt und zieht an mir vorbei.

Hochquelle
Der Weg geht leicht bergan, ich durchquere zwei gar nicht ausgetrocknete Bachbette, um anschließend eine Abkürzung über einen leicht abfallenden Berghang zu nehmen, was naturgemäß im Fiasko endet und bei einer bizarren roten Villa in der Schießstättengasse. Unkaputtbare Mercedes 190E kommen an mir vorbei, einen leichten Duft nach Benzin hinter sich herziehend. Am Ende der besagten Straße ist der Bärenwirt, urig, gut gefüllt mit kartenspielenden Männern. Das Klo ist am Hof und ich beschließe es besser nicht zu benutzen. Hier beim Bären nehme ich mein Frühstück ein, ganz frisch aus der Tiefkühltruhe servierte Debreziner.
Den Berg hinauf durch eine Einfamilienhaussiedlung. Es fasziniert mich, wie viele Hunde durch bloßes Vorbeigehen eines Spaziergängers/in an den Rande des Nervenzusammenbruchs gebracht werden können - und das HundehalterInnen das andauernde Gekläffe in ihrem Vorgarten so egal ist. Hier, in der Einfamielienhaussiedlung, sehe ich auch eine Vierfachfertigteilgarage auf ein leeres Grundstück gestellt, was mich schon sehr beeindruckt.

Steinhäusl selbst liegt an der Grenze zwischen Altlengbach und Eichgraben. Ich erreiche es  über die Tannhäuserwaldstraße.  Das ist jene Straße, die leicht oberhalb der Westautobahn liegt. Man hört ein ständiges Summen, ein Rauschen. Hier siedeln ca 120, 150 Häuser, meistens Neubauten.  
Ein Grundstück kostet hier 50.000 Euro, im Vergleich zu im nahen Altlengbach 50.000 € - 190.000 Euro. Ich frage mich halt dann dennoch, warum man sich dorthin niegelnagelneue Prachtbauten stellt. Es geht hinunter in die "Ortsmitte", unter der Westbahn hindurch. Hier, im "Tal" werden die Häuser etwas baufälliger, jedenfalls aber großteils älter, dafür aber ist es hier viel ruhiger. Ach ja, der Knoten Steinhäusl und seine 32.000 Quadratmeter Schallschutzwände. Steinhäusl hat ca 400 Häuser und Schallschutzwände für 11 Mio € erbaut. Das verdanken wir einer Verordnung des ehemaligen Wissenschaftsministers Farnleitner und einer Bürgerinitiative. (In einem Bericht der St. Pöltner Rundschau aus 2012 ist ihr das aber immer noch viel zu wenig). Hoch ober Steinhäusl thront die neue Raststätte an der Westbahn.
A1
Weiters mache ich mich auf die Suche nach der Ortsmitte, scheitere aber. Eine Ortsmitte gibt es nicht, sondern nur eine langgezogene Hauptstraße mit einer Infotafel der ÖVP, einem Telefonhäusl und am Ende der Straße ein riesiges Seminarhotel (u.a. 110 Zimmer, Orangerie, Wellness). Der Wirt ist auch Ortswirt, wie auf einem Schild am Maibaum zu seinem 50er prangt - warum auch immer auf einem Maibaum.... Ich gehe zurück, bemerke noch eine Infotafel der SPÖ und spaziere an das andere Ortsende. Hier wird es gleich ruraler; eine alte Bauernhofdurchfahrt, ein Drechsler, Kunstgewerbe und ein neuer Bauernhof mit einem kolchoseartigen Anbau. Weiters den Berg hinauf, in Richtung Wienerwald. Hier liegt Schnee und ein eisiger Gegenwind kommt auf. Ich entschließe mich zur Rücke und komme zurück, unter der Autobahndurchfahrt hindurch, nach Eichgraben.


In der Ferne ist mit der Lupe Steinhäusl zu erkennen

Rauchfangkehrer stellen liebevoll ihre Termine zu

Lengbachl, Texas